In meiner Doktorarbeit mit dem Titel "Opfer aus Barmherzigkeit" geht es um Tod und Auferstehung Jesu Christi, also um die zentralen Ereignisse unseres Glaubens. Dieser Tod war, so sagt die Bibel, nicht Zufall, sondern ergab sich zwangsläufig aus Jesu Leben und Verkündigung. Er trat ein nach dem Willen Gottes. Man kann von einem „Opfer“ sprechen. Wichtig ist dabei, dass es sich nicht um das blutige Opfer eines brutalen Gottes oder Volkes handelt: Gott opfert nicht seinen Sohn oder die Juden einen Unschuldigen. Gott opfert sich selber in ihm, da Vater und Sohn eines Wesens sind.
Dies ist der Grundgedanke einer Theologie, wie sie in den Briefen des Apostels Paulus und auch im Hebräerbrief ausgeprägt ist. Vor allem mit dem letzteren Schreiben habe ich mich in meiner Dissertation auseinandergesetzt.
Der Brief behandelt wesentlich die Frage nach dem gegenwärtigen und zukünftigen Heil der Gemeinde aufgrund des Leidens, Sterbens und der Himmelfahrt Jesu Christi. Der Verfasser des Hebräerbriefes verwendet viele Bilder aus dem Alten Testament, um seine Botschaft verständlich zu machen. Diese Bilder stammen u.a. aus dem Tempelkult. Der Kreuzestod Jesu wird mit den kultischen Opfern am Jerusalemer Tempel verglichen. In meiner Arbeit geht es um diesen Vergleich zwischen dem Kult, wie er im Alten Testament beschrieben wird, und dem Neuen, das mit Karfreitag und Ostern angebrochen ist.
So betrat am Großen Versöhnungstag der jüdische Hohepriester mit dem Blut eines Stieres das Allerheiligste am Tempel, wo Gott selber gegenwärtig geglaubt wurde. Der Blutritus reinigte Tempel, Priester und Volk von aller Schuld, welche auf den so genannten Sündenbock abgeladen wurde. Diesen Gottesdienst nimmt der Verfasser des Hebräerbriefes als Vorbild: Jesus ist der neue Hohepriester, der sich selber geopfert hat, um mit seinem Blut den Menschen den Weg zu Gott zu eröffnen. Nach seiner Himmelfahrt tritt er schon jetzt für die Gläubigen ein.
Da auf Golgota kein Tier oder ein unschuldiger Mensch geopfert wird, sondern sich der Sohn Gottes selber nach dem Willen des Vaters in den Tod gegeben hat, endet mit Karfreitag - nach christlichem Verständnis - der Tempelkult als Weg zu Gott. Das Opfer des Sohnes übertrifft alle kultischen Vollzüge, es ist einmalig und unüberbietbar. Für P. Leo Dehon, unseren Stifter, war das Opfer Jesu Christi am Kreuz das Zeichen seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen, die es zu verehren gilt.
Copyright: Guido Telscher SCJ
P. Dr. Guido Telscher SCJ stellt seine Gemeinschaft und sein Leben im Herz-Jesu-Kloster vor.
Mittwoch, April 12, 2006
Karfreitag: Opfer aus Barmherzigkeit
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