P. Dr. Guido Telscher SCJ stellt seine Gemeinschaft und sein Leben im Herz-Jesu-Kloster vor.

Dienstag, Oktober 02, 2007

Gelübde II: Armut



Ordenschristen sollen auch als Gemeinschaft einfach und bescheiden leben, ohne Luxus. Warum das?
Als gläubiger Mensch weiß ich, dass ich nur durch Gott lebe. Alles was ich habe oder bin, verdanke ich nicht mir selber, sondern habe es von Gott als Geschenk erhalten. Wenn ich nun etwas mein "eigen" nenne, dann ist dies "falsch", da ich es allenfalls aktuell besitze. Gott ist die Quelle von allem, was ist. Gott aber hat sich selber entäußert (Phil 2) und ist Mensch geworden. Als Mensch hat er in Armut gelebt und ist völlig ohnmächtig am Kreuz gestorben.
Jesu Lebensstil, sein Zuwendung zu den Geringsten, ist Christen schon immer ein Vorbild gewesen. Die Urgemeinde in Jerusalem lebte in Gütergemeinschaft. Sie teilten alles miteinander: ihren Besitz, ihre Zeit und ihre Arbeitskraft. So haben alle die gleichen Chancen, niemand hat besondere Privilegien oder Monopole in der Gemeinschaft. Allen Besitz aber verschenkten sie an die Armen. Auch als Gemeinschaft wurden die Apostel arm und somit solidarisch mit den unfreiwillig Armen. Ordensleute sollten nach diesem Vorbild ihr Leben gestalten.
Das einfache Leben der Ordensleute stellt auch eine Alternative zur vorherrschenden Ausbeutung von Millionen auf der Welt dar und schützt die Umwelt. Die Orden können durch ihre evangeliumsgemäße Lebensweise vorbildlich und prophetisch für diese Welt wirken.