
Das dritte Gelübde betrifft erneut den ganzen Menschen: Es ist die Ehelosigkeit um des Reiches Gottes willen. Wie Jesus keine Ehe eingegangen ist, sondern Gleichgesinnte um sich gesammelt hat, so wollen auch wir Herz-Jesu-Priester auf Ehe und eigene Kinder verzichten und ganz für die Sache Gottes arbeiten. Das ist keine lieblose Angelegenheit: Jesus öffnet den Jüngerinnen und Jüngern sein Herz und schenkt ihnen seine Liebe.
Der Ordenschrist lebt in der Erwartung der Nähe Gottes, so wie die Freundin auf ihren Freund wartet oder der Ehemann auf seine Frau. Gott kommt zu uns Menschen, er will in uns wohnen. Gott ist aus reiner Liebe einer von uns geworden, mit Leib und Seele. Daraus wird schon deutlich, dass Körper und Sexualität nichts „Böses“ sind, die man verleugnen, unterdrücken oder gar abtöten sollte. Im Gegenteil sind beide Teil der guten Schöpfung Gottes. Der Ordensmann ist und bleibt ein Mann, die Schwester eine Frau! Mensch-sein gibt es nicht ohne Geschlechtlichkeit. Der Leib ist einmal als „Sakrament der Zuwendung zum anderen Menschen“ bezeichnet worden. Nächstenliebe kann man einem anderen Menschen nur durch den eigenen Leib zukommen lassen, indem man ihn anfasst und hilft. Die Liebe zu anderen Menschen schließt nicht die Liebe zu Gott aus, er ist kein Konkurrent neben anderen Personen, sondern wird durch den anderen geliebt. In der Ordensgemeinschaft sollen freundschaftliche Beziehungen zwischen den Mitbrüdern bzw. Schwestern gepflegt werden, es sollten auch Gefühle gezeigt werden können. Nach außen kann sich die Gemeinschaft für einsame und verlassene Menschen öffnen und auf sie zugehen. Die Ehelosigkeit ist ein sprechendes Zeichen für die Offenheit und Hingabe an Gott.
(Bild: Johannes-Minne, Wikipedia)
P. Dr. Guido Telscher SCJ stellt seine Gemeinschaft und sein Leben im Herz-Jesu-Kloster vor.
Sonntag, Oktober 28, 2007
Freundschaft mit Gott
Dienstag, Oktober 02, 2007
Gelübde II: Armut

Ordenschristen sollen auch als Gemeinschaft einfach und bescheiden leben, ohne Luxus. Warum das?
Als gläubiger Mensch weiß ich, dass ich nur durch Gott lebe. Alles was ich habe oder bin, verdanke ich nicht mir selber, sondern habe es von Gott als Geschenk erhalten. Wenn ich nun etwas mein "eigen" nenne, dann ist dies "falsch", da ich es allenfalls aktuell besitze. Gott ist die Quelle von allem, was ist. Gott aber hat sich selber entäußert (Phil 2) und ist Mensch geworden. Als Mensch hat er in Armut gelebt und ist völlig ohnmächtig am Kreuz gestorben.
Jesu Lebensstil, sein Zuwendung zu den Geringsten, ist Christen schon immer ein Vorbild gewesen. Die Urgemeinde in Jerusalem lebte in Gütergemeinschaft. Sie teilten alles miteinander: ihren Besitz, ihre Zeit und ihre Arbeitskraft. So haben alle die gleichen Chancen, niemand hat besondere Privilegien oder Monopole in der Gemeinschaft. Allen Besitz aber verschenkten sie an die Armen. Auch als Gemeinschaft wurden die Apostel arm und somit solidarisch mit den unfreiwillig Armen. Ordensleute sollten nach diesem Vorbild ihr Leben gestalten.
Das einfache Leben der Ordensleute stellt auch eine Alternative zur vorherrschenden Ausbeutung von Millionen auf der Welt dar und schützt die Umwelt. Die Orden können durch ihre evangeliumsgemäße Lebensweise vorbildlich und prophetisch für diese Welt wirken.
